Samstag, 26. Oktober 2013

Ein Mann wie ein Virus

Ich bin nicht verliebt. Der Himmel hängt nicht voller Geigen. Er hing einmal voller Geigen, vor einigen Jahren, genau wegen diesem Mann. Aber glücklich hat es mich nicht gemacht. Und inzwischen fühlt es sich nicht mehr an wie eine schöne Sache, es ist wie ein Virus. Er steckt mich an, immer wieder.
Er kann so einfühlsam sein, so wahnsinnig lustig und charmant. Er gibt jedem, mit dem er spricht, das Gefühl, als wäre derjenige das Wichtigste auf der Welt. Ich würde es ihm vorwerfen, wenn es nur eine Masche wäre, aber das ist es nicht.
Und dann ist er wieder desinteressiert, alles andere ist wichtiger, insbesondere er selbst. Und manchmal ist er so empathisch wie ein Stein.

Gestern ging es mir schlecht. Ich fühlte mich so einsam, dass es sich anfühlte, als würde ich in tausend Teile zerspringen. Ich versuchte, etwas Nähe von ihm zu bekommen, etwas, das mir das Gefühl gibt, nicht ganz allein auf der Welt zu sein. Ich bin niemand, der sich der Aufmerksamkeit wegen prostituiert. Es fällt mir schwer, über meine Gefühle zu sprechen, oder um Hilfe zu bitten. Oder um etwas Zuwendung. Aber er hat nicht zugehört. Wollte nicht zuhören. Er hat um meine - zugegeben lächerlichen und etwas peinlichen - Versuche, etwas Zuwendung von ihm zu bekommen, nur gelacht.

Ich bin ja auch selbst schuld. Inzwischen sollte ich wissen, dass meistens alle anderen wichtiger sind als ich. Aber ich bin dumm, und begehe immer wieder die gleichen Fehler. Eigentlich ist diese ganze Sache so verflucht bescheuert, wir waren nie ein Paar. Aber er war trotzdem meine erste große Liebe, und ich habe große Angst, dass ich nie über ihn hinwegkommen werde. Dass er wie ein Virus in mir schlummert und immer wieder ausbricht, wenn ich denke, dass es endlich vorbei ist. Dass er der Grund ist, warum ich keine glückliche Beziehung führen kann, weil mein dummes Herz immer noch ihm gehört.